| «Wir Bergler in den Bergen sind eigentlich nicht schuld, dass wir da sind» Produktionsjahr 1973/74 | |
Fredi M. Murers Film über Arbeit und Leben der Urner Bergbevölkerung schildert in instruktiver und zugleich höchst ansprechender und künstlerisch hervorragender Weise einen Ausschnitt alpiner Kultur. Mit Bezug auf die Bergbauern des Urnerlandes leistet dieser Film einen bemerkenswerten Dienst. Da wird dem Betrachter keine fertige These vorgesetzt, weder diejenige von den Bergbauern als «Kraftquell der Nation», noch diejenige von den Berglern als Wie sich bei der beschwerlichen, stets an die natürlichen Schranken der Alpennatur stossenden Wirtschaftsweise auf genossenschaftlichem Boden und ererbtem «Eigen» eine originelle Kultur der Familie und der Gemeinschaft erhalten hat, wird dem Betrachter ebenso klar zum Bewusstsein gebracht wie die Probleme, die sich aus der Auseinandersetzung der Urner Bergler mit den von aussen auf sie einwirkenden Kräften der Moderne - Bau von Kraftwerken und Sog des Unterlandes - ergeben. Diese Problematik wird von den Betroffenen, Männern, Frauen und Kindern aus ihrer eignen Sicht und ihrem alltäglichen Erleben her in eindrucksvoller und durch die Verwendung der heimischen Mundart höchst unmittelbarer und prägnanter Weise zum Ausdruck gebracht. Ein menschlich ergreifender, volkskundlich wertvoller und gescheiter Film!
Aus der Neuen Urner Zeitung vom 24. Mai 2008: Fredi M. Murer, Filmemacher Fredi M. Murers Dok-Film über Urner Bergler erscheint erstmals auf DVD.
Interview von Markus Zwyssig Ihr Film «Wir Bergler in den Bergen...» erscheint erstmals auf DVD. Sind die Aufnahmen aus dem Jahre 1974 nicht veraltet? Fredi M. Murer: In den vergangenen 34 Jahren hat sich bestimmt vieles verändert, eine neue Generation ist herangewachsen, aber inhaltlich und emotional hat der Film an Strahlkraft nichts eingebüsst. Aus heutiger Sich ist der Film ein rares, historisches Dokument über die Urner Berglandwirtschaft. Und für alle, die im Film vorkommen und deren Verwandten und Bekannten bleibt er ein kostbares Stück Erinnerung. Darüber hinaus ist es ein Film, der internationale Anerkennung gefunden hat. Was hat sich aus Ihrer Sicht in den Alpen vor allem verändert. Murer: Ich glaube, die alpine Welt verändert sich langsamer als die städtische. Dennoch ist alles im Wandel. Viele Heimwesen und Alpen, die damals nur zu Fuss erreichbar waren sind heute mit Strässchen erschlossen und wo ein Kräutergärtchen war sind heute Parkplätze. In meine Ohren hat sich auch der Urner Dialekt verändert. Der Film ist darum auch eine Art Gedächtnis-Speicher über die schöne und archaische Ausdrucks- und Erzählweise der damaligen Zeitzeugen. Hätten Sie Lust eine neue Version zu drehen? Murer: Das wäre interessant, aber das müsste ein jüngerer Filmemacher tun. Er könnte meinen Spuren folgen und aufzeigen, was sich alles verändert hat. Selber habe ich nicht das Bedürfnis danach. Der Film war damals auch wichtig für mich selber, weil ich mich meiner eigenen Biografie beschäftigte. Inwiefern? Murer: Auslöser für den Film war der überraschende Tod meines Vaters. An seiner Beerdigung nahmen viele Bergbauern teil. Den Grund fand ich schnell heraus: Mein Vater kannte das Obligationenrecht ziemlich gut und er hat die Bergler in solchen Dingen beraten. Er schreib für sie auch Briefe oder Gesuche auf seiner Schreibmaschine. Um mehr über meinen Vater zu erfahren habe die Bauern besucht. Dabei entdeckte ich eine wunderbare Welt, die mich fasziniert hat. Gleichzeitig lernte ich Renners Buch «Der goldene Ring über Uri» kennen. So wuchs langsam der Wunsch über diese Menschen einen Film zu drehen. Zehn Jahre später haben sie «Höhenfeuer» gemacht. Murer: Filmisch bin ich inzwischen andere Wege gegangen, aber innerlich fühle ich mich ihnen noch immer sehr verbunden. Zu meiner grossen Freude wurde ich später sogar von Familien die im Film vorkommen an Hochzeiten oder Familienzusammenkünfte eingeladen. Gute Gelegenheiten mein Urnerdialekt wieder aufzufrischen. Auf die Frage «Wessen bist Du?» konnten Sie eine klare Antwort geben? Murer: Die Tatsache, dass ich äusserlich meinem Vater glich, hatte der Zugang zu meinen Protagonisten sehr erleichtert. Obwohl ich aus Zürich kam wurde ich nicht als fremder Fetzel wahrgenommen. Dennoch brauchte alles seine Zeit. Zuerst war ich der Herr Murer, dann der Murer und schliesslich der Fredi und wir waren Dutzis. Ihre anfängliche Wortkargheit habe ich aber nie als abweisend, sondern eher als klug empfunden. In Uri gibt es eben auch noch eine Kultur des Schweigens. Murer: Je weiter weg ich reiste, umso mehr fasziniert mich der Anblick der Gegend um den Urnersee. Die Energie, die von dieser Landschaft ausgeht, dem See und vor allem die Berge bei Föhn, das ist einmalig. Irgendwie wird man von einer Landschaft auch geprägt. Meine Lebensjahre zwischen 7 und 17, die ich in Uri verbracht habe, sind eine wichtige Quelle meiner kreativen Arbeit. Und diese Energie nutzen sie auch für den neusten Spielfilm «Vitus»? Murer: Dieser Film ist eine Liebeserklärung an die Kindheit und an die Musik. Wie man schnell sehen kann ist «Vitus» kein autobiographischer Film. Dennoch habe ich Gefühlserinnerungen am meine eigene Kindheit darin verwoben, obwohl das Milieu ein ganz anderes ist. Der Erfolg von «Vitus» hat mich fast ein bisschen überrumpelt. Der Film ist in 57 Ländern ins Kino gekommen. Die Begleitung dieses Films um die halbe Welt hat mir eineinhalb Jahre aus dem Kalender gerissen. Bald startet der Film auch in China mit 500 Kopien. Ich weiss von keinen Schweizer Film, der in so vielen Ländern zu sehen war. Sie sind 67 Jahre alt. Trotzdem kommen Sie nicht zur Ruhe. Was steht als nächstes an? Murer: Man sagt, Künstler seien unpensionierbar. Im Moment schreibe ich an einem neuen Spielfilmprojekt. Ich muss ein bisschen Gas gaben, altershalber, damit der Film nicht mich überlebt. Mitte nächsten Jahres will ich drehen. Es gibt noch viel zu tun. Fredi M. Murer ist 1940 in Beckenried geboren. Seine Jugend zwischen 7 und 17 verbrachte er in Erstfeld und Altdorf. Murer hat mit rund zwanzig Dokumentar- und Spielfilmen ein einmaliges Werk geschaffen. Seine Filme überzeugen durch Schlichtheit, soziales Engagement und künstlerische Originalität.
Wie ein Ethnologe zeichnet Murer den Alltag und die Arbeit der Bergbauern auf. Ein Jahr lang hat er mit Kamera und Tonband immer wieder die Bergbauern besucht. |
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| Preis: Fr. 35.–, zuzüglich Porto und Verpackungskosten Länge: 108 Minuten, ein Farbfilm, gesprochen im Urner Dialekt mit deutschen Untertiteln |
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